Die Geschichte des Boston-Marathon
Der erste Boston-Marathon
Die Erfahrung der besonderen Stimmung und der Erhabenheit des olympischen Marathons inspirierte John Graham, Mitglied der Boston Athletic Association (B.A.A.) und erster Manager eines US-Olympia-Teams, einen Marathon in der Bostoner Umgebung zu organisieren. Mit Hilfe des Bostoner Geschäftsmannes Herbert H. Holton zog er verschiedene Strecken in Betracht, bevor sich die beiden schließlich für eine Strecke von 24,5 Meilen vom Irvington Oval in Boston bis zur Metcalf’s Mill in Ashland entschieden. Am 19. April 1897 setzte sich John J. McDermott aus New York aus einem 15-köpfigen Starterfeld ab und entschied den ersten B.A.A.-Marathon nach 2:55:10 Stunden für sich – damit sicherte er sich dauerhaft einen Platz in der Sportgeschichte. 1924 verlegte die B.A.A. die Startlinie von Ashland nach Hopkinton und weitete die Strecke 1927 auf die volle Distanz von 26 Meilen und 385 Yards aus, um dem olympischen Standard zu entsprechen.
Am Montag: Das Patriots-Day-Rennen
Von 1897 bis 1968 fand der Boston-Marathon stets am 19. April statt, dem Patriot’s Day, einem Feiertag, der dem Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges gedenkt und der nur in Massachusetts und Maine gefeiert wird. Eine Ausnahme wurde nur gemacht, wenn der 19. auf einen Sonntag fiel. In diesen Jahren fand das Rennen am darauffolgenden Tag, Montag dem 20., statt. 1969 wurde der Feiertag offiziell auf den dritten Montag im April angesetzt. Seitdem findet das Rennen immer an diesem Montag statt. Der letzte Gewinner eines Rennens, das nicht am Montag ausgerichtet wurde, war der Runner’s World-Redakteur Amby Burfoot am Freitag, den 19. April 1968, in 2:22:17 Stunden.
Frauen laufen an die Spitze
Roberta Gibb war die erste Frau, die 1966 den gesamten Boston-Marathon absolvierte. In den drei Jahren, in denen sie als inoffizielle Siegerin bei den Frauen hervorging (1966-1968) und ohne offizielle Startnummer mitlief, versteckte sie sich hinter Büschen in der Nähe des Starts, bis das Rennen begann. 1967 gab sich Katherine Switzer auf der Anmeldung zum Rennen nicht eindeutig als Frau aus und bekam eine Startnummer. B.A.A.-Mitarbeiter versuchten vergeblich, Switzer aus dem Rennen zu nehmen, als sie diese als Frau erkannten. Zu dieser Zeit stand eine offizielle Teilnahmeerlaubnis für Frauen in Langstreckenläufen durch die Amateur Athletics Union (A.A.U.) noch aus. Als die A.A.U. den von ihr anerkannten Marathons, zu denen auch Boston gehörte, im Herbst 1971 schließlich die Teilnahme von Frauen erlaubte, war Nina Kuscsik im darauffolgenden Frühling 1972 die erste offizielle Siegerin. Acht Frauen nahmen an diesem Rennen teil, und alle acht erreichten das Ziel.
Der erste große Marathon mit Rollstuhlwettbewerb
Der Boston-Marathon wurde der erste große Marathon, der mit der offiziellen Zulassung von Bob Hall 1975 ein Rollstuhlrennen in den Wettbewerb aufnahm. Mit einer Zeit von 2:58 Stunden musste der damalige Race-Direktor Will Cloney sein Versprechen wahrmachen und Hall eine offizielle B.A.A.-Finisher-Urkunde überreichen, da er unter drei Stunden gefahren war. Die bekannten amerikanischen Rollstuhlfahrer Jean Driscoll und Jim Knaub verhalfen dieser Disziplin zu weiterer Popularität und Etablierung.
Olympiasieger in Boston
Die dreimalige Gewinnerin Fatuma Roba (Äthiopien) wurde die vierte Läuferin, die sowohl den Marathon bei den Olympischen Spielen als auch den Boston-Marathon gewann, als sie bei letzterem 1997 in 2:26:23 als erste Läuferin die Ziellinie überquerte. Roba, die 1996 den olympischen Marathon gewonnen hatte, stieg damit zu Joan Benoit (USA) und Rosa Mota (Portugal) auf. Erstere gewann den Boston-Marathon 1979 und 1983, bevor sie 1984 noch einen Sieg bei den Olympischen Spielen hinzufügte, während Mota in Boston dreimal (1987, 1988 und 1990) sowie einmal 1988 bei den Olympischen Spielen gewann. Gelindo Bordin (Italien) ist der einzige männliche Läufer, der sich sowohl den olympischen (1988) als auch den Boston-Titel (1990) sichern konnte.
